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„Die Lehrer von früher sind irgendwie Handwerker: sie vermitteln Kenntnisse. Die brauchen wir kaum noch, denn wir nutzen das Internet, und das ist sehr schnell. Bei uns sind die Lehrer Künstler. Sie vermitteln, was wirklich wichtig ist. Sie stärken die Wahrnehmung und lassen Körper und Verstand zum Freund werden.“

Das Leben ist (d)eine Schule

„In unserer Schule,“ sagt die Lehrerin. „lernst du nicht, wie es früher üblich war, wie man den Lebensunterhalt verdient und womöglich einen Job macht, für den man gar nicht geboren ist. Bei uns lernst du, wie einfach es ist, ein erfülltes Leben zu führen.

Verunsichert schaut der Junge sich um. „Wo bin ich denn hier gelandet?“ Sein Blick trifft das Smartbord im Klassenraum, darauf steht: „Teilen bedeutet nicht halbieren, sondern verdoppeln. „Ist das Mathe?“

Jeder Lehrer bleibt immer ein Schüler

Die Antwort ist der einfache Leitsatz der Schule: „Ein Meister zieht keine Schüler nach sich, sondern nur Meister!“

„Und wie geht das?“

Die Lehrerin nimmt den Jungen behutsam nach vorne. „Ich sehe, du bist hier noch nicht wirklich angekommen.“ Der Junge ist weiter verwirrt. Die Lehrerin reicht ihm einen Tee. „Dein Verstand ist so groß wie diese Tasse hier – überfüllt mit Gedanken, Fragen und Problemen. Lösungen hätten darin gar keinen Platz mehr.“

Wie geht „erfülltes Leben“?

„Was sind denn so die Fächer in Eurer Schule?“ „Die kannst Du dir aussuchen: Liebe, Humor, Spaß und Sinnlichkeit oder eher Freude und Dankbarkeit. Vielleicht ein wenig Demut?“

„Wir bieten auch Fächer an, wie man mit dem Tod umgeht oder der Kunst zu trösten. Dafür haben wir die Schule des Leidens oder die Schule der Erfahrungen. Alle Erfahrungen gehören zu uns. Dafür sind wir hier. Schmerzhaft werden sie nur durch unsere Bewertungen. Lustig ist auch das Theater, da lernen wir die Schule des Lachens und auch des Weinens –vor Glück oder Leid. Ein ganz schwieriges Fach in der Schule der Liebe ist das Loslassen-Lernen.“

Hausaufgaben? Bücher? Mathe?

Die bange Frage „Gibt es auch Hausaufgaben?“ „Na klar,“ bestätigt die Lehrerin. „Jeder Schüler bekommt die Aufgaben, die gerade zu ihm passen.“ – „Wie soll das denn gehen?“

„Jeder lernt gerade etwas Anderes. Das ist wie mit den Suchmaschinen von Google. Du bekommst immer genau das vorgelegt oder angeboten, was deinem Suchprofil entspricht, also was dich gerade beschäftigt. Darauf bauen auch deine Hausaufgaben auf. Sie werden dir erteilt, weil sie dir etwas bringen sollen: Manche müssen lernen, nicht zu erzwingen, geliebt zu werden. Andere sollten zulassen, geliebt zu werden. Sich selbst oder anderen zu vergeben, wäre eine ähnlich wichtige Aufgabe, Eltern müssen vielleicht lernen, warum es ihnen egal sein soll, ob du dein Zimmer aufräumst?“

Die Schule der Zunkunft

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„Das klingt jetzt aber schwierig, gerade wenn Eltern einsichtig sein sollen.“ sagt der Junge. „Ja, es sind die Schularbeiten des Lebens, wenn man sie übt, werden sie plötzlich ganz einfach, manchmal muss man einfach nur die Perspektive ändern, und plötzlich geht alles.“ bestätigt sie. „Aber die Lehrer bekommen auch Hausaufgaben. Eigentlich jeden Tag die gleichen, nämlich aus jedem Tag das Beste zu machen und sich und die Schüler immer weiter und besser zu entwickeln.“

Das gefiel dem Jungen, er musste lachen. „Jede Minute, die man lacht, verlängert das Leben um eine Stunde.“ Freut sich die Lehrerin.

Gibt es hier auch Bücher?“ – „Ja. Dort drüben, in der Witze-Ecke. Freude und Humor machen alles leichterer im Leben“.

„Nochmal zum Rechnen,“ der Junge schaut noch einmal auf die Tafel mit der Rechenformel: Teilen bedeutet nicht halbieren, sondern verdoppeln. – „Kannst Du mir wirklich das Rechnen beibringen?“

„Klar. Das Wichtigste an der Mathematik ist nämlich, dass deine Tage in diesem Leben gezählt sind und dass nicht die Nullen relevant sind, sondern das unzählbar Wertvolle, das man vor dem Komma schaffen kann. Dafür sind wir nämlich hier.“

Ihre

Nelly Konetzny